Werner Frosch

Geschäftsführer Henning Larsen München

Werner Frosch

Weitere Informationen zu Henning Larsen und Werner Frosch finden Sie hier.

Seit 2020 ist das weltweit renommierte Architekturbüro Henning Larsen Teil der Ramboll-Familie. Vielfach preisgekrönte Projekte der Unternehmen zeigen, dass nachhaltiges Bauen zum Erfolgskonzept für die deutsche Immobilien- und Baubranche werden kann. Dafür verbinden die Firmen unternehmerische Verantwortung mit Pioniergeist und nordischem Design. Im Interview erklärt Werner Frosch, warum dieser Weg auch viel Mut erfordert.


Was für Chancen ergeben sich aus deiner Sicht durch die Partnerschaft von Ramboll und Henning Larsen?

Gemeinsam gestalten wir lebendige, nachhaltige Architektur, die bleibende Werte für Menschen, die Gesellschaft, unsere Umwelt und Unternehmen schafft. Das ist unser Anspruch und was beide Unternehmen antreibt. Ambitioniert und für mich persönlich wahnsinnig motivierend! 

Durch die Fusion unserer Kompetenzen können wir komplexe Anforderungen noch besser bewältigen: Wirklich nachhaltige Lösungen erfordern oftmals das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachgebiete – denke man beispielsweise an die Veränderungen unserer Innenstädte durch die Pandemie oder das drängende Problem des Klimawandels. Für Herausforderungen dieser Art reicht es schlichtweg nicht aus, die einfachste Lösung zu wählen, man muss Kompetenzen bündeln.

Bei Henning Larsen arbeiten vor allem Fachleute aus den Bereichen Architektur und Landschaftsarchitektur. Ramboll verfügt über herausragende Expertinnen und Experten des Ingenieurwesens, der Nachhaltigkeit oder Stadt- und Verkehrsplanung. Durch unsere Zusammenarbeit können wir die Grenzen des Möglichen immer wieder verschieben. In Bezug auf den Effekt, den sie auf die Nutzerinnen und Nutzer sowie die Umwelt haben, aber auch, was die Ästhetik angeht. 

Wie genau ist das möglich?
Einfach gesagt ist es möglich, weil wir vernetzt denken und durch die Verbindung von Architekturkompetenz und Ingenieur-Knowhow ganz neue Lösungen entwickeln können. Aus meiner Sicht ist aber die eingangs angesprochene Wertebasis beider Unternehmen viel entscheidender: Unser Verständnis von Unternehmensverantwortung ist, dass wir Teil der Gesellschaft sind und daher den nachhaltigen Wandel vorantreiben müssen. Allein schon, um eine Zukunft überhaupt zu ermöglichen. Auch unsere Kundinnen und Kunden möchten wir auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bestmöglich unterstützen.

Aus diesem Grund investieren wir in Forschung und Innovation – immer unter Einbeziehung der zukünftigen Effekte der neuen Technologien. Konstant und so konsequent in diese Richtung zu investieren und Projekte dieser Art anzustreben erfordert Mut. Wir haben beispielsweise bei Henning Larsen eine eigene Abteilung für Nachhaltigkeitsforschung. Stillstand ist angesichts der globalen Megatrends aber keine Alternative. Gerade nicht für die Baubranche. Hier muss sich in Deutschland noch einiges tun.

Welche Notwendigkeiten bestehen hier?
Der Bausektor verursacht mittlerweile 38% der globalen CO2-Emissionen und hat sich kaum in Richtung der im Paris-Abkommen festgelegten Ziele bewegt. Wir müssen Gebäude also so planen, dass sie im Betrieb weniger Emissionen verursachen, aber auch beim Bau auf einen ressourcenschonenden Materialeinsatz achten. 
Ansatzpunkte gibt es dafür viele und Rambolls aktuelle „Sustainable Buildings Market Study“ zeigt, dass nicht weniger als 94% der Branche Nachhaltigkeit als zentralen Erfolgsfaktor für ihre Geschäftstätigkeit betrachten – klar ist aber auch, dass mangelnde Kompetenzen und Kostendruck Hemmfaktoren sind. 

Ist nachhaltige Architektur denn automatisch teuer?
Im ersten Moment der Planung und Errichtung ja. Mittel- und langfristig jedoch, sieht es anders aus: Verwenden wir qualitativ hochwertige Materialien, die dazu noch ressourcenschonend produziert sind, können wir die Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit steigern – auch die Wartung und der Betrieb nachhaltiger Gebäude können die Gesamtbilanz entscheidend beeinflussen. 
Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Siemens-Konzernzentrale in München. Natürlich muss man sich zunächst fragen: ist der Abriss von Bestandsgebäuden sinnvoll und alternativlos, und welche Ressourcen werden durch einen Neubau verbraucht? Doch durch das Energie- und Versorgungskonzept sinken die Kosten immens. Allein der Energieverbrauch des Gebäudes ist um 90% im Vergleich zum vorherigen Hauptsitz gesunken. Bei einem Gebäude dieser Größe erschließt sich schnell, welchen Einfluss das auf die ökonomische und ökologische Rendite hat. Dies ist ein auch ein gutes Beispiel dafür, welche Chancen sich durch nachhaltiges Bauen ergeben.

Welche anderen Chancen ergeben sich noch?
Die deutsche Baubranche boomt, es herrscht in vielen urbanen Räumen Wohnungsnot und derzeit ist kein Ende der Investitionsfreude vorherzusehen. Aber geeignete Flächen, Fachleute und auch Rohstoffe/ Bauprodukte sind rar. Gleichzeitig sinkt die Halbwertszeit von Gebäuden und die Folgen des Klimawandels werden auch hierzulande immer spürbarer. Mit umweltfreundlichen und langfristig gedachten Konzepten für unsere Städte, Quartiere und Gebäude können wir diese Widersprüche zumindest teilweise auflösen. In der Branche braucht es also Konzepte, die höhere Anforderungen an die Flexibilität der Gebäude stellen. Das ist für das Tüftlerland Deutschland doch eine riesige Chance zum Vordenker zu werden! 

Wie könnte das aussehen?

Aktuell werden Immobilien in immer kürzeren Abständen um- oder neugebaut. Das trifft auf Verkaufsflächen, Hotels und ganze Quartiere zu. Sehen wir allerdings schon bei der Planung unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten vor und setzen auf Langlebigkeit, ergeben sich mehr Anpassungsmöglichkeiten und der Bedarf für ständige Umbauten sinkt. Das schont unsere Umwelt. Der andere positive Nebeneffekt wäre ein größerer Fokus auf Qualität in der Planung und beim Einsatz von Ressourcen. Beides sehe ich, auch vor dem Hintergrund der klimapolitischen Zielsetzungen und Notwendigkeiten, als Alleinstellungsmerkmal für uns in Zentraleuropa. Nur so können wir den nachhaltigen Wandel vorantreiben und erfolgreich sein. Aber auch dafür braucht es Mut, denn gerade in Deutschland stehen Projekte mit hohen anfänglichen Investitionskosten schnell auf dem Prüfstand – gleichwohl es sich am Ende rechnet und echte Mehrwerte geschaffen werden.