Stabilere Transportketten im maritimen Güterverkehr durch smarte Technologien

20. Mai 2021

Der stetige Anstieg der Transportkapazitäten von Containerschiffen stellt maritime Infrastrukturen und ihre Leistungsfähigkeit zunehmend vor Herausforderungen. Eine erhöhte  Anfälligkeit für Störungen der gesamten Transportkette ist die Folge. Senior Consultant und Planungsexperte Thomas Rust erklärt die aktuelle Transportsituation in Häfen und wie wir sie zukünftig verbessern können.

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Thomas Rust

Senior Consultant
Telefon: +49 381 25295215

Wie hat sich das Transportaufkommen im maritimen Güterverkehr in den letzten Jahren verändert?

In den letzten Jahren gab es einen deutlichen Anstieg der transportierten Mengen in fast allen Segmenten und Fahrtgebieten. Besonders der Transport von Containerladung hat signifikant zugenommen und wird in vielen Regionen der Welt auch weiter stark steigen. Bemerkenswert ist, dass der Zunahme im Transportaufkommen in großem Umfang durch den Einsatz größerer Schiffe begegnet wurde. Allein in den vergangen 10 Jahren haben sich die Kapazitäten der größten in Fahrt gekommenen Containerschiffe um rund 50 % auf etwa 24.000 TEU gesteigert. Der Hauptgrund hierfür ist der Versuch, die Stückkosten je transportierter Frachteinheit weiter zu senken.

Was sind die Folgen dieser Entwicklung?

Die durchschnittliche Transportkapazität je eingesetztem Containerschiff hat sich in den letzten Jahren gegenüber dem maritimen Handel proportional bis überproportional stark entwickelt. Dadurch kommt es in vielen Häfen zu einer Stagnation oder eben auch einem Rückgang der Anlauffrequenzen von Containerschiffen. Die Konsequenz ist, dass der Abfertigungsaufwand je Schiffsanlauf und damit auch die Anforderungen an die Infrastruktur sowie Suprastruktur im Hafen, die alle Transport-, Umschlag- und Lageraktivitäten abbilden, enorm gestiegen sind.

Mit einem zeitlich hinreichenden Puffer zwischen den Schiffsanläufen und unter anderem gezielten Ablaufoptimierungen, sowie Automatisierungsbemühungen in den Häfen kann diese Herausforderung noch überwiegend gut gemeistert werden. Wenn der maritime Handel aber beginnt, „unrund“ zu laufen, weil z. B. eine Pandemie Angebot und Nachfrage hemmt, Schifffahrtskanäle temporär nicht befahrbar sind oder Engpässe bei der Allokation von Leer-Containern auftreten, ist es schnell um die Verlässlichkeit von Fahrplänen geschehen. Es besteht zudem die Gefahr, dass sich Störungen aufschaukeln und die gesamte Transport- und Versorgungskette „infizieren“. Die Auflösung dieses Dilemmas nimmt dann mehrere Monate in Anspruch und stellt die Häfen unter eine Art „Dauerstress“.

Was können wir tun, um die Stabilität der Transportketten zu verbessern?

Den Trend in der Schiffsgrößenentwicklung über die letzten Jahre wird man nur bedingt umkehren, hoffentlich jedoch deutlich abschwächen können. Denn ein höher, schneller, weiter bei hafenseitigen Infrastrukturerweiterungen ist nicht nur unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern auch unter ökologischen genau zu hinterfragen.

Eine bessere Möglichkeit, die Häfen auf in der Zukunft häufiger zu erwartende Peak-Situationen vorzubereiten und ihre Verlässlichkeit zu festigen, liefert uns die Vielzahl an digitalen Anwendungsfeldern und ihre stetige Weiterentwicklung. Dabei dürfen die smarten Anwendungen jedoch nicht nur nebeneinander stehen und wirken, sondern müssen integrativ entwickelt und betrieben werden. Beispiele sind im Datenaustausch zwischen Schiff und Hafen zu Ankunfts-, Ladungs- oder aber Statusdetails bei Verladevorgängen, sowie in deraufkommensoptimalen Steuerung vonHinterlandtransporten zu finden. Auch innerhalb des Hafens in der Kommunikation zwischen den Terminals und den Revierzentralen gibt es smarte Technologieansätze für eine weitere betriebliche Optimierung. Grundvoraussetzung hierzu ist jedoch die Bereitschaft der Akteure, Informationen über ihre Unternehmensgrenzen und insbesondere über die räumlichen Grenzen von Häfen hinaus auszutauschen.