"Die Offshore-Windenergie besitzt das Potenzial, den Ausstieg aus der Kern- und Kohlekraft zu kompensieren"

12. November 2019
Raya Peterson, Experte für Offshore-Windenergie, erklärt im Interview, wie es aktuell um die Offshore-Windenergie in Deutschland bestellt ist und was getan werden muss, damit die Energiewende gelingen kann.
Offshore-Windenergieanlagen

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Raya Peterson

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Als Team Lead Strategy & Risk hast du den nationalen und internationalen Energie-Sektor immer im Blick. Welche Rolle spielt die Offshore-Windenergie aktuell in Deutschland?

Raya Peterson: Ende des ersten Halbjahres 2019 waren nach offiziellen Angaben 1351 Offshore-Windenergieanlagen mit einer kumulierten Leistung von 6.658 MW am Netz. Damit ist Deutschland hinter Großbritannien der zweitgrößte Markt in Europa. Vor fünf Jahren waren es nur ca. 600 MW und 146 Anlagen. Die installierte Leistung ist in kurzer Zeit also fast um das Zehnfache gestiegen. Mit aktuell rund 20.000 Beschäftigten in Deutschland, spielt die Branche auch für den Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle.

Inwiefern kann die Offshore-Windenergie den Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft bis zum Jahr 2038 kompensieren?

Raya Peterson:Allein durch den beschlossenen Atomausstieg 2022 müssen rund 10 GW Erzeugungskapazität ersetzt werden. Der Kohleausstieg wurde zwar bislang noch nicht gesetzlich verankert, folgt man jedoch den Vorschlägen der Kohlekommission, müssen allein bis 2022 mehr als 20 GW konventionelle Erzeugungskapazität ersetzt werden. Bis 2038 dann nochmal über 30 GW. 

Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Offshore-Windenergie das Potenzial besitzt, um diese Lücke zu füllen. Die Branche hat sich in allen Bereichen rapide entwickelt und bereits enorme Kostensenkungen erfahren. Die Anlagenleistung hat sich vervielfacht. Inzwischen sind Windkraftanlagen mit einer Leistung von mehr als 10 MW erhältlich, die in immer kürzeren Zeiträumen installiert werden können. Heute werden zunehmend Offshore-Windparks mit über einem GW an Leistung geplant und teilweise bereits realisiert.

Vor allem aber haben alle Marktteilnehmer signifikant an Erfahrung gewonnen. Dadurch hat sich das Risikoprofil der Planung und des Baus von Offshore-Windparks stark verbessert.  

In Asien und Nordamerika, aber auch anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, wo bereits mehrere subventionsfreie Ausschreibungen erfolgreich durchgeführt wurden und Großbritannien wächst der Markt mit einer rapiden Geschwindigkeit. In Deutschland hingegen ist der Ausbau der Onshore-Windenergie, der bisherige „Motor der Energiewende“, mit über 53 GW installierter Leistung in den letzten Jahren drastisch eingebrochen und im ersten Halbjahr 2019 fast zum erliegen gekommen. Und auch ein Offshore-Wind Ausbauziel von 20 GW bis 2030 ist wenig ambitioniert. 

Der Windgipfel von Anfang September hat nur wenig neue Erkenntnisse gebracht. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Möglichkeiten der Offshore-Windenergie in Deutschland ausschöpfen zu können?

Raya Peterson: Leider muss man bezüglich des Windgipfels und des Klimapaketes insgesamt von einer verpassten Chance für die Offshore-Windenergie in Deutschland sprechen. 

Das jetzige Ausbauziel von 15 GW bis 2030 soll auf 20 GW angehoben werden, entsprechende Gesetzesentwürfe werden in den nächsten Monaten erwartet. Dies entspricht zwar in Teilen der Minimalforderung der Branche, zwei wichtige Elemente, die geforderten kurzfristigen Sonderausschreibungen und ein deutlich höheres Ziel für 2035, werden jedoch noch nicht definiert. 

Zur Erinnerung: Bereits im Koalitionsvertrag von 2018  wurden Sonderausschreibungen für die Offshore-Windenergie vereinbart, die bis heute allerdings nicht umgesetzt wurden. 

Offshore-Windparks sind große Infrastruktur Projekte mit Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro. Sowohl die Entwickler, als auch die Supply Chain benötigen hier langfristige Planungssicherheit. Ansonsten werden diese die benötigten Investitionen kaum tätigen. 

Wir benötigen daher dringend eine gesamtheitliche Strategie was die Energiewende angeht und einen klaren Fahrplan für die Offshore-Windenergie über 2030 hinaus. Dabei muss vor allem auch der Netzausbau im Fokus stehen und ganzheitlich im Sinne der Energiewende gedacht werden. Der kürzlich von der IEA veröffentlichte Offshore Wind Outlook 2019foo  hat einmal mehr das enorme Potenzial der Offshore Windenergie unterstrichen.

Wie kann Ramboll mit seiner Offshore-Expertise dazu beitragen, dass die Windkraft weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende bleibt?

Raya Peterson: Ramboll ist einer der weltweit führenden Planer für Fundamente von Offshore-Windanlagen und unterstützt weltweit die Realisierung von Offshore-Windparks.  
Rambolls Expertise geht jedoch weit darüber hinaus. Mit unserem umfassenden Fachwissen, das technische, vertragliche und kommerzielle Aspekte von Offshore-Windenergieprojekten umfasst und unserer praktischen Erfahrung in den Bereichen Projektentwicklung, Finanzierung und Implementierung unterstützen wir unsere Kunden auch durch eine Vielzahl von Lösungen inklusive Projektentwicklung, Vertragsstrategien, Vertragsentwicklung und -verhandlungen, Kosten- und Projektbudgets, Risikoquantifizierung, De-Risking, Projektfinanzierung und Due Diligence.