Klimafreundlich durch Europa – mit dem Nachtzug aus Berlin

3. Februar 2022

Ramboll prüft im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenUMVK), die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des europäischen Nachtzugnetzes. Initiiert durch die Senatsverwaltung fand dazu am 09. Februar 2022 eine öffentliche Videokonferenz zum Thema „Nachtzugnetz 2030+ - Chancen für Berlin und Rahmenbedingungen für die Umsetzung“ statt.  

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Ralf Jugelt

Ralf Jugelt

Senior Consultant
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Torsten Perner

Torsten Perner

Senior Consultant, Mobility & Rail
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Im Rahmen der von der SenUMVK in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung des europäischen Nachtzugnetzes fand am Mittwoch, den 09.02.2022 eine Videokonferenz zu dem Thema „Nachtzugnetz 2030+ - Chancen für Berlin und Rahmenbedingungen für die Umsetzung“ statt.

Gemeinsam mit Ramboll wurden der aktuelle Stand der Untersuchungen sowie die neusten Entwicklungen aus der Markt- und Kundenperspektive erläutert und diskutiert.

Unterhalb des Textes finden Sie die auf der SenUMVK-Konferenz vorgestellten Präsentationen zur Planung der Nachtzüge zum Download.

Neue Nachfrage für nachhaltige Nachtzüge

 

Nachtzüge verbinden für Reisende viele Vorteile: Buchstäblich im Schlaf gelangt man an Ziele in ganz Europa, spart Hotelkosten und bewegt sich noch dazu klimafreundlich fort. Während zuvor das Angebot schrumpfte, steigt nun die Nachfrage. Daher hat die SenUMVK Ramboll mit einer Potenzialanalyse beauftragt.

Ramboll untersucht, wie Berlin besser an das europäische Nachtzugnetz angebunden werden kann. Mehr noch: Die Hauptstadt könnte sich mit zahlreichen transeuropäischen Verbindungen zu einem Drehkreuz entwickeln.

Attraktives Reisen für unterschiedliche Zielgruppen

Nachtzüge sind CO2-arme Alternativen zum Flug- und Straßenverkehr. Das Angebot kann für unterschiedlichste Segmente attraktiv sein: Neben Geschäftsreisen und touristischen Verkehr kommen auch Angebote für Ausflugs- und Austauschfahrten von Schulen und Hochschulen in Frage. Damit können Nachtzüge auch ein weiterer Baustein in Richtung nachhaltiger Tourismus verstanden werden.

Einbindung in den europäischen Rahmen

Insbesondere im Schienenverkehr gilt es, die europäische Perspektive einzunehmen. Das hat unterschiedliche Gründe: Das Reisen über Nacht ist im grenzüberschreitenden Verkehr über längere Distanzen besonders attraktiv. Trotz des umfassenden Infrastrukturausbaus und dem Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs sind die Bahnangebote über längere Strecken und Ländergrenzen hinweg noch nicht immer optimal aufeinander abgestimmt.

Planerische Aspekte im Schienenverkehr

„Wir nehmen vorab unter die Lupe, welche unterschiedlichen Trends und Entwicklungen in Europa zu beobachten sind“ und von welchen Faktoren die Etablierung neuer Nachtzugverbindungen abhängig ist, sagt Projektleiter Ralf Jugelt und erläutert: „Wir analysieren Tarife, Abfahrts- und Ankunftszeiten, erreichbare Reiseweiten, infrastrukturelle und technische Rahmenbedingungen und die Anforderungen der Reisenden an ein modernes Angebot, das nicht nur für den Tourismus interessant ist.” 

Ramboll überprüft zudem, welche möglichen Reiseziele mit den Nachtzügen angesteuert werden. „In diese Erwägungen fließen viele Faktoren ein: Zum einen zum Beispiel die Frage, welche Destinationen für die unterschiedlichen Zielgruppen interessant sind, zum anderen auch, ob die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen gegeben sind“, erklärt Jugelt.

Daneben gilt es, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir prüfen die organisatorischen, technischen und politischen Voraussetzungen, die für ein europäisches Nachtzugnetz erforderlich sind. Diese Vorbereitungen sind immens wichtig, denn nur wenn alle drei ineinandergreifen, kann die Erweiterung gelingen“, sagt Jugelt und führt weiter aus: „Zusätzlich kann der Erfolg im Kleinen vorbereitet werden. Wir sind im Moment dabei, auch Empfehlungen für Pilotaktionen auszuarbeiten. “Die Erweiterung des Netzes kann nur schrittweise erfolgen.” 

Erste praktische Erfolge mit direktem Nutzen für Berlin sind dank der Initiative zukunftsorientierter Marktakteure bereits zu verzeichnen. Dazu zählen die bereits erfolgten Anbindungen Berlins an das ÖBB Nightjet Netz u. a. mit Direktverbindungen nach Zürich, Wien, Graz und Budapest sowie die geplante Nachtzugverbindung Praha – Berlin – Amsterdam – Brüssel, welche voraussichtlich im Sommer 2022 starten soll.

Ergebnisse Videokonferenz Nachtzugnetz 2030+

English version below

Die Konferenz mit mehr als 150 Teilnehmern verdeutlichte das hohe Interesse an qualitativ hochwertigen Nachtzugverbindungen als Beitrag zum Klimaschutz, das vorhandene Nachfragepotenzial, auch für Verbindungen von und nach Berlin als Teil eines europäischen Nachtzugnetzes. Gleichzeitig wurden aber auch die infrastrukturellen, technischen und wirtschaftlichen Hürden deutlich, die genommen werden müssen, um Nachtzüge im Rahmen langfristig stabiler Lösungen als Alternative zum Flugverkehr zu etablieren. Dies zeigt, dass die aufgezeigten Hürden kein unüberwindliches Hindernis darstellen.

Erste praktische Erfolge, die Berlin unmittelbar zugute kommen, sind durch die Initiative zukunftsorientierter Marktteilnehmer bereits zu verzeichnen. Dazu zählen die geplante Wiedereinführung des Nachtzuges Prag-Amsterdam-Brüssel sowie die Direktverbindungen nach Zürich, Wien, Graz und Budapest über das ÖBB-Nightjet-Netz. Dies zeigt, dass die aufgezeigten Hindernisse überwunden werden können.

Results Video conference Nachtzugnetz 2030+

With more than 150 participants the conference illustrated the high interest in night train connections as climate friendly alternative to air traffic and the demand potential, also for connections from and to Berlin as part of a European night train network. At the same time, however, the infrastructural, organizational, technical and economic barriers that have to be overcome in order to establish night trains as an alternative to air travel as part of long-term sustainable solutions became obvious.

First practical successes directly benefiting Berlin can already be seen with the initiative of future-oriented market players, such as the planned reintroduction of the Prague- Amsterdam- Brussels night train as well as the direct links to Zurich, Vienna, Graz and Budapest via the ÖBB Nightjet network. This illustrates, that the identified barriers can be overcome.

Vortragsfolien zum Download / Presentation slides for download:

 

 

Projekte

Ausgestaltung und Umsetzung des Nachtzugnetzes in Berlin

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK) führt Ramboll eine Machbarkeitsuntersuchung zur Weiterentwicklung des europäischen Nachtzugnetzes durch.