Klimafreundlichere Schifffahrt: Deutschlands Häfen bereiten nachhaltige Zukunft vor

4. Oktober 2021
Alternative Antriebstechnologien mit verflüssigten, komprimierten Gasen wie Wasserstoff oder Kraftstoffen mit niedrigem Flammpunkt, wie z. B. Methanol könnten in der Schifffahrt schon bald den Betrieb mit Schweröl ablösen. Voraussetzung dafür ist die entsprechende Distributionsinfrastruktur in den Häfen – unsere Fachleute legen nun dafür in einem zukunftsweisenden Projekt für das Deutsche Maritime Zentrum e.V. die Grundlagen.

Kontakt

Thomas Rust

Senior Consultant
Telefon: +49 381 25295215

Beim Warentransport per Schiff werden pro transportierter Tonne und Kilometer im Vergleich zum Transport auf der Straße relativ wenig CO2-Emissionen verursacht. Lkw stoßen beispielsweise circa 113 Gramm Treibhausgase aus, Containerschiffe mit etwa 30 Gramm pro Tonne und Kilometer nur rund 27 Prozent davon. Allerdings gelangen bei der Hochseeschifffahrt weitere Luftschadstoffe wie Schwefel- und Stickoxide in die Atmosphäre, die die Umweltbilanz deutlich verschlechtern. Darum sind neue Antriebstechnologien mit synthetischen Energieträgern wie Wasserstoff, Ammoniak und Methanol große Hoffnungsträger für eine nachhaltigere Schifffahrt. Wenn es gelingt, die weltweiten Ambitionen zum Ausbau erneuerbarer Energien nochmal deutlich zu beschleunigen, könnten Sie die fossilen Brennstoffe schon in naher Zukunft zunehmend verdrängen.

Das Deutsche Maritime Zentrum e.V. hat Ramboll vor diesem Hintergrund damit beauftragt, einen bundesweiten Leitfaden für einheitliche Vorschriften zum Bunkern alternativer Kraftstoffe in deutschen Seehäfen zu erarbeiten. Unsere Expertinnen und Experten befassen sich dabei insbesondere mit der Aufnahme rechtlicher Regelungen auf weltweiter und nationaler Ebene. Ein Grund für die Komplexität des Themas ist der niedrige Flammpunkt vielversprechender Alternativen, aber auch ihre teilweise korrosiven und toxischen Eigenschaften.

Frühzeitige Planung für langfristigen Erfolg

 

Nur wenn alternative Kraftstoffe mithilfe erneuerbarer Energien synthetisiert werden, weisen sie verlässlich eine bessere Klimabilanz als Schweröl auf und bilden so die Grundlage für eine umweltfreundliche Zukunft der Schifffahrt. Was vor wenigen Jahren noch eine Vision war, rückt nun in greifbare Nähe: „Vermutlich wird noch in diesem Jahr im Rahmen eines europäischen Förderprojektes ein erster Binnenfrachter mit Wasserstoffantrieb in Betrieb gehen. Besonders vielversprechend für den Einsatz in der Seeschifffahrt sind aber insbesondere Antriebstechnologien, die auf anderen Energieträgern wie Methanol und Ammoniak basieren. Nun gilt es, Deutschlands Häfen fit für die nachhaltigere Zukunft zu machen und die Distribution dieser Kraftstoffe, d. h. die Verteilung und das Bunkern zu ermöglichen. Grundlage dafür sind sowohl geeignete Bunkerinfrastrukturen, insbesondere in Form von Bunkerschiffen, als auch belastbare rechtliche Rahmenbedingungen bei den zuständigen Behörden und Verwaltungen“, sagt Thomas Rust, Senior Consultant Strategic Port Planning & Logistics bei Ramboll.

 

Das Ramboll-Team untersucht in diesem Projekt die technischen und regulatorischen Grundlagen, die an den Häfen gegeben sein müssen und entwickelt einen Leitfaden. Der Leitfaden soll Häfen dabei helfen, die Weichen für die Zukunft zu stellen: „Die richtige Vorbereitung und Steuerung von Leichtigkeit und Sicherheit beim Bunkern neuer Kraftstoffe sind als wesentliches Qualitätskriterium für die deutschen Häfen im internationalen Wettbewerb zwischen den Standorten zu verstehen. Die Attraktivität eines Hafens für die Schifffahrt und seine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung zeichnen sich insbesondere durch sein breites Leistungsangebot, aber auch Pragmatismus im Bunkermarkt aus“, sagt Rust.

Hafenvorschriften im Kontext von alternativen Kraftstoffen

 

Eine einheitliche oder zumindest harmonisierte und der aktuellen Entwicklung folgende Rechtslage in den Häfen ist die Basis für einen sicheren Umgang mit den Energieträgern. Unsere Expertinnen und Experten prüfen dabei nicht nur die örtliche und föderale Vorschriftenlage, sondern können auch bei der Risikobewertung im Umgang mit Ammoniak, Methanol und Co. in den Häfen unterstützen. Insbesondere aufgrund ihrer unterschiedlichen stofflichen Eigenschaften sind die Sicherheitsbedingungen für das Bunkern der einzelnen Kraftstoffalternativen detailliert zu analysieren. Wichtig ist dabei jedoch, dass standardisierte methodische Werkzeuge zum Einsatz kommen, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu ermöglichen. Im Rahmen des Leitfadens wurde für die Häfen ein entsprechender „Werkzeugkasten“ entwickelt.