Erfolgsfaktoren für Mittelstädte: Ganzheitliche Ansätze aus Skandinavien

21. Juni 2018
In einer Zeit voller Veränderungen stehen Städte immensen Herausforderungen gegenüber. Doch gerade der Umbruch ermöglicht neue Wege, das Stadtleben zu gestalten. Stadtentwicklungs-Expertin Dr. Astrid Könönen erklärt im Interview, wie unsere nordischen Nachbarn Stadtplanung neudenken und mit ihren Handlungsansätzen erfolgreich ihre Zukunft entwerfen. 
Rooftop Garden in Aarhus, Dänemark

Rooftop Garden in Aarhus, Dänemark

Kontakt

Dr. Astrid Könönen

Dr. Astrid Könönen

Director, Social and Economic Impacts, Germany
Telefon: +49 40 302020-109
Dr. Astrid Könönen ist bei Ramboll Expertin im Bereich Stadt- und Regionalentwicklung. Ihr Team unterstützte unter anderem die Landesregierung Schleswig-Holstein bei der Erarbeitung und Prozessbegleitung einer langfristigen Entwicklungsstrategie und erstellte ebenfalls für das Bundesland die Studie „Mobilität der Zukunft in Schleswig-Holstein“. Beide Projekte haben maßgeblich zur Entwicklung der Region beigetragen.

Welche Rolle spielen Mittelstädte in unserer Gesellschaft?

In den Mittelstädten sind Stadt und Land eng verbunden, was sie für viele Menschen besonders attraktiv macht. In Deutschland und Skandinavien lebt die Mehrheit der Menschen in Mittelstädten, darum sind sie wichtige Impulsgeber für viele gesellschaftliche Themen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Städte und Kommunen heute?

Wir beobachten derzeit Dynamik in allen Lebensbereichen und sehen die Digitalisierung als größten Treiber. Doch auch die Wandlungsprozesse in den Bereichen Klima, Technologie, Wirtschaft und Demografie sind nicht zu unterschätzen. All diese Veränderungen stehen in Verbindung – gerade für Mittelstädte ist die Vielzahl der Themen, die integriert zu behandeln sind, eine echte Herausforderung. Verwaltungen wissen oft nicht, bei welcher Stellschraube sie ansetzen sollen.

Mittelstädte haben aber im Prinzip durch ihre Größe und Struktur einen entscheidenden Vorteil: Sie sind in der Lage nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren. Wenn hier zukunftsorientierte Entscheider vorausdenken, lassen sich Dinge schnell in Bewegung bringen. Wenn sie Netzwerke bilden und kooperieren, vergrößern sie ihre Handlungsspielräume noch mehr.

Welche Ansätze gibt es für die aktive Gestaltung der Entwicklung?

Statt in den üblichen Verwaltungsstrukturen zu denken, haben gerade Städte in Dänemark bereits gezeigt, dass ganzheitliche Konzepte deutlich erfolgreicher sind. Maßnahmen verschiedener Fachbereiche, die ineinandergreifen und koordiniert werden, sind wesentlich effizienter als Einzelmaßnahmen, die nur an der Oberfläche kratzen. Das gilt insbesondere für Themenfelder, die von Bürgern als besonders wichtig für die Lebensqualität in ihrer Stadt eingeschätzt werden.

Deshalb sollten Mittelstädte mit allen Akteuren den Dialog suchen, das heißt Bürger und ihre Anliegen in den Mittelpunkt von Zukunftsplanungen stellen. Schließlich prägen die Bürger ihre Stadt und sollten daher auch eine zentrale Rolle einnehmen. Ehrliche Beteiligungsprozesse aufzusetzen erfordert Mut und Zeit, ist aber eine entscheidende Voraussetzung für langfristig tragfähige Veränderungsprozesse.

Gibt es Beispiele, wo dieser Weg schon erfolgreich beschritten wird?

Ja, in vielen Strategien und Planungsprozessen wird das bereits erfolgreich umgesetzt. Auch Ramboll hat Ende 2017 in Dänemark eine repräsentative Studie durchgeführt und Bürger nach den für sie wichtigsten Entwicklungsthemen in ihrem städtischen Lebensumfeld befragt. Dabei wurde untersucht, welche Bedingungen für ein attraktives Stadtleben besonders wichtig sind.

 


Welche Themenbereiche sind das? 
Natürlich bewerten Stadtbewohner Aspekte des Lebensstandards wie gute Beschäftigungsmöglichkeiten und bezahlbaren Wohnraum als wichtige Faktoren. Dass auch ein Gefühl der Sicherheit zu den Grundbedürfnissen gehört, ist nicht weiter überraschend. Auch der Wunsch nach passfähigen Mobilitätsangeboten wurde eindringlich geäußert. In der Studie haben wir allerdings auch herausgefunden, dass vor allem umweltbezogene Aspekte wie saubere Luft, eine lebendige Natur in der Stadt und Maßnahmen zur Klimaanpassung für Bürger einen hohen Stellenwert einnehmen. In diesen Themenfeldern sehen sie einen großen Nachholbedarf für innovative Verbesserungen im städtischen Umfeld. 

Was können wir von unseren europäischen Nachbarn lernen?
Neben den hervorragenden, ganzheitlichen Stadtentwicklungskonzepten aus dem Norden können wir in Deutschland viel lernen von der Konsequenz, Bürger in Strategie- und Planungsprozesse einzubinden. Grundsätzlich sollten sich die Akteure in deutschen Mittelstädten aber vor allem von der Grundhaltung unserer nordischen Nachbarn anstecken lassen: Selbstbewusst querdenken, ambitionierte Ziele stecken, unkonventionelle Wege beschreiten und – wenn manchmal auch in kleinen Schritten -  loslaufen. 

Ramboll

Ramboll
Chilehaus C – Burchardstraße 13
20095 Hamburg
Tel:+49 40 302020-0
Fax:+49 40 302020-199

Mail: info@ramboll.de

Unternehmen der Ramboll-Gruppe in Deutschland

Unternehmen der Ramboll-Gruppe in Deutschland

Ramboll GmbH


Ramboll Management Consulting GmbH


Ramboll Holding GmbH


Ramboll Studio Dreiseitl GmbH


Ramboll BBB GmbH


Ramboll CUBE GmbH


Ramboll Environment & Health GmbH


Weitere Seiten

Weitere Seiten