CO2-Kompensation – ein riskantes Geschäft für Unternehmen

12. Februar 2020
Unternehmen, die auf Kompensation setzen, um ihre Ziele zum Reduzieren ihres CO2-Austoßes zu erreichen, sollten dabei vorsichtig vorgehen. Eine neue Studie von Ramboll Management Consulting stellt in Frage, ob die aktuellen Praktiken bei der Kompensation der Treibhausgase wirklich sinnvoll sind.

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Jan-Markus Rödger

Jan-Markus Rödger

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In den vergangenen Wochen hat das Thema CO2-Kompensation viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt, denn immer mehr Unternehmen setzen auf diese Möglichkeit, um ihre Klimaneutralität zu erreichen. Die Medien berichteten jedoch kritisch über Ausgleichsprojekte, durch die die versprochene Reduzierung des Kohlendioxids (CO2) nicht erreicht wird und über unzuverlässige Anbieter, die Kohlenstoffkredite erneut vergeben.

Eigentlich sollte die Kompensation messbare, quantifizierbare und nachverfolgbare Einheiten zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen umfassen, die in der Regel durch Klima-Projekte und -Aktivitäten in Entwicklungsländern erzielt werden. Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeit des  Kohlenstoffausgleichs, um ihre ehrgeizigen Ziele zur CO2-Reduzierung zu erreichen. Oft fehlt ihnen jedoch ein klarer Plan und eine Übersicht der dadurch anfallenden Kosten.

Ein vielfältiger und fragmentierter Markt

Ramboll Management Consulting hat eine umfassende Studie durchgeführt, die den Markt der  freiwilligen CO2-Kompensation in den Blick nimmt. Das Ergebnis zeigt einen nur schwer durchschaubaren Markt mit über 136 Entwicklern, Händlern und Maklern von Klimaschutzprojekten sowie 13 verschiedenen Standards und mehr als 18 verschiedenen Arten von Projekten mit Preisen zwischen 1-145 € / tCO2e (Euro pro Tonnen CO2-Äquivalente). Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die versprochenen Kohlenstoffeinsparungen nicht realisiert werden. Investitionen in Kompensationsprojekte bergen daher für Unternehmen ein hohes Risiko.

Um dieses Risiko zu reduzieren, wurden mehrere Standards eingeführt. Diese Standards sollen sicherstellen, dass die Kohlenstoffgutschriften aus Projekten real und verifizierbar sind und aus Aktivitäten stammen, die sonst nicht durchgeführt worden wären. Im Jahr 2016 wurden 99% der freiwilligen Kompensationshandlungen durch einen Standard von unabhängigen Drittanbietern zertifiziert (Ecosystem Marketplace, Stand der freiwilligen CO2-Kompensationen 2017). Eine Gewissheit, dass die versprochene Wirkung erreicht wird, ist dadurch dennoch nicht gegeben.

Die meisten Projekte werden zu hoch geschätzt 

Laut einer Analyse des Clean Development Mechanism (CDM) der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), dem ersten globalen Kreditsystem, das die Glaubwürdigkeit von Projekten validiert und misst, ist es sehr unwahrscheinlich, dass alle energiebezogenen Projekte (erneuerbare Energien, Verbesserungen der Energieeffizienz oder Umstellung auf fossile Brennstoffe), extra für die Kompensation von unternehmensspezifischen Emissionen durchgeführt wurden (2016 Studie des Institute for Applied Ecology). Die Ergebnisse zeigten, dass in der Tat nur 7 % der zertifizierten Emissionsreduktionen im Zeitraum von 2013 bis 2020, die durch den CDM generiert wurden, zusätzlich durchgeführt wurden und nicht überbewertet sind.

Was zu tun ist

Basierend auf den Ergebnissen unserer Studie empfehlen wir Unternehmen folgende Punkte zu beachten, um ihre Treibhausgasemissionen effektiv zu reduzieren:

  • Vergewissern Sie sich, dass alle Möglichkeiten Ihre tatsächlichen Emissionen zu reduzieren geprüft wurden. Die Reduzierung von Emissionen ist nicht unbedingt mit zusätzlichen Kosten verbunden. Auf lange Sicht kann dieser Vorgang sogar rentabel sein und zu einer Optimierung von Betrieb und Ressourcen führen.
  • Wenn Sie wissen, dass Sie das volle Potenzial zur CO2-Reduzierung ausgeschöpft, Ihr Ziel aber noch nicht erreicht haben, sollten Sie sich mit der Möglichkeit der CO2-Kompensation befassen. Stellen Sie jedoch sicher, dass die Due Diligence des Projekts sorgfältig durchgeführt wird, um mangelnde Wirkung und damit verbundene schlechte Publicity zu vermeiden.
  • Wählen Sie den richtigen Verifizierungsstandard und informieren Sie sich, wie und für wie lange Sie Ihre Projekte verifizieren.
  • Informieren Sie sich über die Unterschiede zwischen den verschiedenen Projekttypen und wie sie die Kriterien erfüllen: echt, wertvoll, zusätzlich und messbar.
  • Wählen Sie anerkannte Anbieter mit einer dokumentierten Erfolgsbilanz.

CO2-Kompensation sollte mehr als Marketing bedeuten. Kunden werden immer aufmerksamer und  hinterfragen die Kompensationen zunehmend, sodass der Markt mit der Zeit transparenter werden muss. So kann es gelingen, dass Unternehmen auf der ganzen Welt zusätzliche Emissionsreduktionen erzielen.

Wie können wir Sie unterstützen?

Wenn Sie Interesse an verschiedenen Lösungspfaden und/oder mehr über bewährte Methoden und Best Practices erfahren möchten, helfen wir Ihnen gerne weiter. Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie mehr über die Ergebnisse unserer Studie.