Davis Adedayo Eisape

Senior Manager

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Das Konjunkturpaket fördert nicht nur die Wirtschaft und setzt Kaufanreize für Konsumenten, um die volkswirtschaftlichen Schäden von COVID-19 so gering wie möglich zu halten. Vielmehr ermöglicht das Konjunkturpaket, wenn wir es denn gemeinsam richtig anpacken, eine Wende in den Bereichen, die unser aller Alltag ausmachen. Energie, Mobilität, Verwaltung – überall gibt es gut gemeinte, und in der Sache spannende Förderanreize. Bindeglied und Katalysator aller Veränderungen ist die Digitalisierung, die eine Zukunftswende ermöglicht hin zu einer nachhaltigen und lebenswerten Zukunft in Deutschland für uns alle. Dabei werden auch Millionen für die Umsetzung von Smart City Projekten zur Verfügung gestellt. Doch halten wir kurz inne. Denn zumindest im Kontext „Smart City“ war und ist die Entwicklung in Deutschland alles andere als rasend schnell. Smart City ist auch deswegen in Anführungszeichen gesetzt, weil der Begriff in meinen Augen in der breiteren Öffentlichkeit ein Buzzword ist. Und für Städte ein Buch mit sieben Siegeln – was können wir also tun? Und wieso sprechen wir nur von Smart Cities, also den Städten? Ganze Landstriche haben bereits den Anschluss verloren, sowohl bei der Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. Sollten wir daher nicht vielmehr zusätzlich die Regionen in den Fokus rücken und gemeinsam neben Smart Cities auch Smart Regions oder Villages gestalten? 

Die City in der Smart City 

Der Begriff City ist meiner Meinung nach missverständlich. Denn das Konzept einer Smart City umfasst nicht nur Städte, sondern auch ländliche Räume. Ich fasse den Begriff weiter und ergänze die Smart City mit Smart Regions. Denn: Aktuell gibt es in Städten zu viel davon, was auf dem Land zu wenig ist. Weder die Menschen in der Stadt noch die Menschen auf dem Land sind damit zufrieden. Nehmen wir ein Beispiel aus der Mobilität: In der Stadt gibt es zu viel Verkehr auf den Straßen, auf dem Land wiederum mangelt es an attraktiven ÖPNV-Angeboten. Das Resultat: Weder in der Stadt noch auf dem Land sind die Menschen glücklich. Damit jedoch sowohl Städte als auch ländliche Regionen funktionieren, braucht es eine komplementäre Betrachtung dieser beiden Lebensräume. „Smart Cities und Regions“ ist für mich deshalb der klarere Begriff, da er uns alle einbezieht – egal wo wir wohnen. 

Das Smarte in der Smart City/Region

Ähnlich geht es mir bei dem Begriff Smart. Oft wird dabei nur an technologische Neuerungen gedacht. Doch für mich umfasst der Begriff sechs verschiedenen Ebenen: 

  1. Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt 
    An erster Stelle stehen für mich die Menschen. Denn keine Region kann ohne ihre Menschen bestehen. Bürgerinnen und Bürger müssen beteiligt werden, denn sie wissen, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Deshalb müssen die Menschen vor Ort auch einbezogen werden, wenn das Konzept zu einer Smart Region entsteht oder (Pilot-) Vorhaben umgesetzt werden. 
  2. Neue Technologien und Daten
    Dann erst kommt für mich die Ebene der technologischen Neuerungen und Daten. Daten müssen erhoben werden, um sie mit einer intelligenten Analyse in Datenräumen zusammenzuführen. Das erlaubt unerwartete Einsichten, die in Kombination mit digitalen Technologien neue Lösungswege ermöglichen.
  3. Bedarfsorientierung 
    Doch jede Lösung muss bedarfsorientiert sein. Denn smart bedeutet immer, dass Angebote und Ressourcen dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das Verkehrsbeispiel oben zeigt eindeutig, dass wir aktuell nicht in Smart Cities oder Regions leben. Bei der Verteilung von Ressourcen spielen Daten eine wichtige Rolle, da sie aufzeigen, wann wo ein Bedarf besteht.
  4. Ressourcenschonung 
    Eng damit vernetzt ist der Aspekt ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln. Darunter verstehe ich, dass Ressourcen, die bereits vorhanden sind für eine optimale Auslastung genutzt werden. Die Ressource Mobilität zum Beispiel muss neu und vernetzt gedacht werden, damit sie im ländlichen Raum überall genutzt werden kann und dort wo sie gewissermaßen redundant vorhanden ist, z.B. in Großstädten, ressourcenschonend optimiert werden kann.
  5. Klimaschutz 
    Zusätzlich gehört der Klimaschutz, insbesondere die CO2-Reduktion, mit zu einer Smart City/Region.
  6. Nachhaltige Geschäftsmodelle 
    Und letztlich runden nachhaltige Geschäftsmodell das Konzept einer Smart Region ab: Die Angebote müssen sich langfristig halten und den Menschen vor Ort einen Mehrwert bieten. Erste Beispiele dafür sind Shared Platforms im Verkehr bei Autos, Rollern und Rädern – auch, wenn es diese Angebote bislang nur in Städten gibt.

Endstation „Smart Cities and Regions“: Nur durch flächendeckende Umsetzung 

Die Vision komplementärer Smart Cities und Smart Regions ist also allumfassend. Ich verstehe darunter einen nachhaltigen Zukunftswandel in all unseren Lebensbereichen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass eine Smart City oder eine Smart Region nicht allein funktionieren kann – es braucht ein smartes Land. Nur flächendeckend kann die Vision sich voll entfalten, da sich die Regionen und Städte gegenseitig bedingen. Deshalb hat das Bundesinnenministerium im Jahr 2019 das Förderprogramm „Smart Cities“ ins Leben gerufen. In der ersten Förderwelle werden 13 Projekte gefördert, dank der Aufstockung durch das Konjunkturpaket sind aktuell zwei weitere Förderphasen geplant. Das reicht natürlich bei weitem nicht, um Deutschlands Kommunen flächendeckend in Smart Cities und Regions zu verwandeln. Aber es werden erstmals vernetzt nachhaltige Konzepte entwickelt, die als Inspiration für andere Quartiere, Gemeinden, Kommunen dienen können. 

Mein Ziel ist es, Kommunen in Städten und Regionen dabei zu helfen, den Anfang bei Smart City/Region Projekten in den aktuellen Umbruchszeiten zu wagen. Den Anstoß dafür bietet uns das Konjunkturpaket, denn die Vision der Smart City kann durch die staatliche Förderung Realität werden – das hat Stefan Wallmann, Managing Director bei Ramboll Deutschland, in seinem Beitrag bereits beschrieben. Wie Kommunen die vorgesehenen Fördergelder aus dem Konjunkturpaket dafür abrufen können, verrate ich in meinem nächsten Artikel.