Stefan Wallmann

Managing Director, Ramboll Germany

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Covid-19 ist im Prinzip ein einzigartiger Schock wie ein Erdbeben. Aber der Tsunami, der folgt, könnte noch verheerender ausfallen. Deshalb muss sich Deutschland auf eine Insolvenzwelle vorbereiten, die uns jetzt im Herbst erfassen wird. Davon geht unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus, das eine Prognose eines großen Kreditversicherers aufgreift. Ich fürchte, diese Vorhersage stimmt. Und das, obwohl die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket eins der größten Investitionsprogramme in der Geschichte der Bundesrepublik aufgelegt hat. 

Wie jede Krise stellt die Pandemie trotz all der furchtbaren Umständen auch eine Chance dar, dieses Land fundamental zu verändern: ich habe das bereits an anderer Stelle skizziert. Corona ist genau jener Weckruf, der uns hilft, neue Wege zu gehen – und die eigentliche Katastrophe zu verhindern. 

Neues Mindset für vernetztes Denken

Was wir grundsätzlich brauchen, ist ein radikaler Paradigmenwechsel. Ein neues Mindset. Die vergangenen Jahrzehnte waren von lean production und cost cutting geprägt, von Effizienzsteigerung und strengen Hierarchien. Das waren für lange Zeit, die Parameter, die unsere Vorstellung von der Welt und der Wirtschaft bestimmt haben. Dabei existieren neue Leadershipmodelle schon längst, auch kulturell hat sich unser Wertesystem verschoben: von shareholder value zu social responsability, von einer Kleinteiligkeit der Entscheidungen zu globaler Ausrichtung. Das bedeutet: Wir müssen von sequenziellem zu einem vernetzten Denken gelangen.

Und dies gilt insbesondere auch beim Konjunkturpaket. Denn dieses ist in seiner großen Linie ein guter Ansatz, auch wenn es mir mitunter vorkommt wie ein bunter Strauß, der jede Klientel zumindest ein wenig bedient. Natürlich wird dieses Paket das Immunsystem unserer Wirtschaft stärken. Es wird nicht reichen, nur kurzfristig den Brand zu löschen und sich dann zufrieden zurückzulehnen. Wir müssen einen sense of urgency bewahren und Konzepte entwickeln, um die eigentlichen Potenziale zu heben. Oder besser gesagt: zu hebeln. 

Neue Strukturen für einen zügigen Wandel 

Deutschland hat einen dreistufigen föderalen Staat, der per se nicht sonderlich agil ist. Das Ziel, Bürokratie zu reduzieren, klingt daher gut und notwendig. Aber wenn man bedenkt, dass oftmals alleine die Planung von Infrastrukturprojekten bisher mindestens zehn Jahre in Anspruch nahmen (und das war schon der Fast Track), dann frage ich mich: Wie können wir die Impulse aus dem Konjunkturpaket nutzen, um solche Infrastrukturprojekte schneller und gleichzeitig nachhaltiger zu konzeptionieren und umzusetzen? Und was können wir dazu beitragen, dass Fördermittel überhaupt abgerufen werden? 

Wir dürfen nicht noch weiteres Volumen in veraltete Strukturen kippen. Sämtliche gängigen Leadership-Modelle fordern ja, das Silo-Denken in einzelnen Abteilungen zu überwinden. Diese Logik lässt sich auch auf Infrastrukturprojekte übertragen. Genau das ist die zentrale Fragestellung, mit der wir uns bei Ramboll beschäftigen. Etwa beim wichtigen Thema vernetzte Stadt. 

Mit 50 Millionen will die Regierung das Konzept Smart City unterstützen. Das ist nicht sehr viel. Das gleiche gilt für viele andere Einzel-Maßnahmen aus dem Paket. Einen Hebeleffekt erzielen wir aber erst, wenn wir die einzelnen Elemente verknüpfen und sie als Ganzes betrachten. Deshalb sollten die entsprechenden Töpfe neu konfiguriert werden und vernetzt gedacht. Schließlich sind Ökologie und Nachhaltigkeit ohnehin die Folie, auf der wir die Zukunft planen. Das ist es, was wir bei Ramboll meinen mit: „Designing the new Normal“.