Dr. Anja Durdel

Business Manager, Education and Social Welfare

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Nachdem das vergangene Schuljahr mit viel Improvisationskunst an den Schulen zu Ende ging, wird nun mit Hygiene- und mit Digitalkonzepten der Schritt in die neue Normalität gewagt. Finanzielle Hilfe dafür kommt vom Bund, der im Rahmen des Konjunkturpakets Fördergelder für die Umsetzung des Infektionsschutzes sowie der Digitalisierung an den Schulen bereitstellt. 

Dabei haben uns erste Schulschließungen in Mecklenburg-Vorpommern kürzlich gezeigt, wie notwendig Konzepte sind, die schnelle Entscheidungen ermöglichen und das Gleichgewicht zwischen Bildung und Sicherheit aufrecht halten. Beide Konzepte – Hygiene und Digital – in kurzer Zeit parallel zu denken und umzusetzen, ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten in den Verwaltungen und Bildungseinrichtungen. Ich bin davon überzeugt, dass genau deshalb bei deren Entwicklung der Konzepte verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit und Rahmenbedingungen mit- und umgedacht werden müssen: 

Veränderungsprozesse und die verschiedenen Facetten der Zusammenarbeit 

Als ich vor fünf Jahren zu Ramboll kam, war mein erstes Projekt eine Feldstudie als Teil unseres internationalen Beraterteams. Wir haben in vier Staaten hochkarätige Verantwortungsträgerinnen und -träger aus den Verwaltungen gefragt, wie sie vorgehen, um Hürden in komplexen Veränderungsprozessen zu überwinden. Im September 2016 haben wir unsere Erkenntnise in „New approaches to policy implementation. How public executives address the complexity of policy implementation“ zusammengefasst . Sichtbar wurde, was komplexe Veränderungsprozesse befördert und was sie erschwert: 

Diese Grafik erinnert mich immer wieder daran, dass wir gewohnte Muster, kulturelle Widerstände, Wissensstände und technische Voraussetzungen zusammen denken müssen. Es geht eben nicht nur um leistungsfähige Leitungen und Laptops oder Fortbildungen für Lehrkräfte, es geht auch um die Frage, wie und ob die Menschen zusammenarbeiten.  

Digitalisierung und Infektionsschutz vernetzt denken 

Die Not der Stunde hat Schulen und Verwaltungen dazu gezwungen, digitaler zu werden. Digitalisierung ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass wir eine gute Basis für Kooperationen und gemeinsame Entscheidungen benötigen. Denn für die Umsetzung ist die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kommunen und Ländern gefragt: Wenn die Kommunen nicht in leistungsfähige Netze investieren und die Fördergelder aus dem Digitalpakt oder auch dem Konjunkturpaket abrufen, fehlen den Schulen technische Voraussetzungen. Wenn Schulleitungen und die verschiedenen Ressorts in Kreisen und Ländern nicht gemeinsame Konzepte entwickeln, wie sie gleichermaßen für den digitalen Unterricht qualifizieren und die Risikogruppen in der Lehrerschaft für die Bildungsprozesse an Bord halten können, bekommen wir ein noch größeres Problem mit dem Fachkräftemangel an Schulen. 

Gemeinsame Planung für zukunftsfähige Konzepte 

Während des Lockdowns haben wir im Team für unsere Kunden Wissen darüber gesammelt, wie in anderen Ländern das „neue Normal“ vorbereitet wird. Eine norwegische Kollegin wies uns auf die Forderung des Leiters des dortigen Bildungsverbandes, Steffen Handal,  hin, der ausreichend Vorlauf für die gründliche Planungen in gemeinsamer Verantwortung von Kommunen, Lehrkräften, Eltern und Kindern forderte: Überall sind andere Voraussetzungen, alle müssen mit dem arbeiten, was sie haben oder beschaffen können und gleichzeitig analysieren, welche Kompetenzen und Entscheidungen noch getroffen werden müssen. Übergeordnete Ebenen müssen zwar dafür einen guten Rahmen setzen, aber die Kompetenz sitzt vor Ort in den verschiedenen Häusern.

Digitalisierung erfordert Zusammenarbeit auf allen Ebenen – vor allem in Kommunen

Der Förderanreiz des Bundes, im Konjunkturpaket weitere zwei Milliarden Euro für Schulen zu verwenden, ist ein wichtiges Signal. Ich plädiere für kommunale Verantwortungsgemeinschaften, die planen, wie die Gelder an den richtigen Stellen gewinnbringend eingesetzt werden. Vielleicht entstehen dabei auch vernetzte Ideen: Zum Beispiel können Kommunen gemeinsam in Museen oder andere Begegnungsorte investieren, in Flächen für Unterricht im Freien und in Digitallabore. Das ändert nichts daran, dass jedes Kind ein leistungsfähiges digitales Arbeitsinstrument und jede Schule ein starkes Netz benötigt. Aber es schärft den Blick dafür, über welche Ressourcen wir verfügen und wie wir sie in dieser herausfordernden Situation am besten miteinander verbinden.